Im Fokus der
Theaterpreis Hamburg-Jury im Mai 2022

Die Jury des Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares ist fleißig in den Hamburger Theatern unterwegs, um die passenden Preisträger*innen der Spielzeit 2021/2022 zu finden. Nach der Shortlist im Januar 2022 und im November 2021 gibt es hier die nächsten Nominierten, unter denen sich womöglich schon der*die ein*e oder andere Preisträger*in befindet. Einige der Stücke könnt ihr auch aktuell noch sehen – es lohnt sich auf jeden Fall!

Die Jury besteht übrigens aus Dr. Inge Volk, Jan Peter Gehrckens, Patrick Giese, Christian Hanke, Gunter Mieruch, Maike Schäfer und Elke Westphal.

 

Rain Man im kleinen hoftheater

Rain Man © das kleine hoftheater 

Charlie Babbitt ist jung, er ist attraktiv – und chronisch pleite. Auch seine Freundin Susan kann ihn von seinen windigen Geschäften nicht abbringen. Als Charlies Vater, zu dem er schon seit Jahren keinen Kontakt mehr hat, stirbt, hofft Charlie auf eine reiche Erbschaft. Zu seiner Überraschung muss er feststellen, dass er fast nichts erbt – sondern eine Stiftung für geistig Behinderte nahezu alles bekommt. Hier lebt sein älterer Bruder Raymond, von dessen Existenz Charlie nichts wusste. Um an sein Erbe zu kommen, entführt er Raymond kurzerhand. Aber aus der Entführung wird für die beiden ungleichen Brüder eine Reise in die eigene Vergangenheit und in eine Welt, in der sich beide erst zurechtfinden müssen. Charlie versteht nicht, wie sein autistischer Bruder denkt. Und Raymond wiederum ist der Realität und dem sprunghaften Verhalten Charlies nicht gewachsen.

 

Woyzeck im Theater das Zimmer

Woyzeck © Theater das Zimmer 

Der Aufschrei einer gequälten Kreatur als packendes Solo: Allein in der Todeszelle auf seine Hinrichtung wartend, wird Woyzeck immer wieder von den Dämonen der Vergangenheit heimgesucht: vom Hauptmann, der ihn demütigte; vom Doktor, der ihn für medizinische Experimente missbrauchte, vom Tambourmajor, der ihm die Frau wegnahm; von Marie, die ihn betrog – und die er tötete. Das Psychogramm eines Täters, der ein Opfer ist – und ein leidenschaftliches Plädoyer für Humanität.

 

Das mangelnde Licht im Thalia Theater

Das mangelnde Licht © Armin Smailovic

Qeto, Nene und Ira treffen sich 2019 in Brüssel auf der imposanten Retrospektive ihrer toten Freundin, der renommierten Fotografin Dina Pirveli. Ihre Fotografien sind Anlass für die Erinnerung zurück an Tiflis, Anfang der 90er Jahre: Vier junge Frauen berauschen sich am Leben und an ihren ersten Lieben. Sie feiern die Gnadenfrist, die ihnen die Unkenntnis über die Zukunft gewährt, darüber, was die ersten Jahre der georgischen Unabhängigkeit bringen werden: Chaos und Gewalt in den Straßen, Stromausfalle, und die Gespaltenheit einer jungen Demokratie im Bürgerkrieg – bis hin zum Krieg in der Region Abchasien, die mit russischer Unterstützung ihre Autonomie von Georgien erkämpft.

 

Kleiner Mann, was nun? im Ohnsorg Studio

Kleiner Mann, was nun? © Sinje Hasheider

Warmherzig und voller Dramatik erzählt Fallada in seinem 1932 erstmals veröffentlichten Roman von dem kleinen Angestellten Pinneberg und seinem „Lämmchen“, einer Frau von beherzter Lebenskraft. Die beiden behaupten im Kampf gegen eine unfriedliche Welt, Missgunst und wirtschaftliche Not ihr zärtlich-idyllisches Glück. „Was nun?“ in Zeiten der Weltwirtschaftskrise: Falladas Antwort auf diese Frage der kleinen Leute ist Lämmchen, diese sanfte und tapfere Frau, die das Leben ihres verzweifelten Mannes in die Hände nimmt. Beide glauben an ihr Glück und an ihre Liebe. Und ihre Liebe ist es schließlich auch, die sie zuversichtlich bleiben lässt, selbst als sich Pinneberg in das Millionenheer der Arbeitslosen einreihen muss.

 

Der schwarze Mönch im Thalia Theater

Der schwarze Mönch © Ira Polyarnaya

Man kann die Geschichte multiperspektivisch von verschiedenen Seiten erzählen. Es geht – vereinfacht gesagt – um die Freiheit. Um die unbändige Sehnsucht des Menschen nach Freiheit und Selbstentgrenzung, nach dem Besonderen und Einzigartigen, nach Kunst und Genialität, und um die Erfahrung, dass dies zu Selbstzerstörung führen kann,- eine „Hamlet“-Figur, zerrissen zwischen der Anforderung, sich in den sozialen Körper einzugliedern und dem Anspruch, eigen und besonders zu sein. Kirill Serebrennikow ist ein entgrenzender Gesamtkunstwerker, der in seinen Arbeiten oft das Crossover von Schauspiel, Körper- und Musiktheater sucht. Er ist ein freier Geist und ein Star des europäischen Regietheaters.

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